Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Grabow
Hoffnungsgedanken in Coronazeit
(26.03.202) - Stern der Hoffnung Am letzten Sonntag habe ich ihn aus seiner wohlverdienten Ruhe auf dem Boden herunter geholt. Dort harrt er jedes Jahr bis zu seinem Einsatz am 1.Advent gut verpackt der Dinge, die da kommen. Und kündet dann zwei Monate lang von dieser Hoffnung. Nun kommt er erneut zum Einsatz, zu ganz ungewohnter Zeit: unser Adventsstern. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Möglichkeiten, sich zu begegnen, sind in den letzten Wochen nach und nach weniger geworden und seit Sonntag ganz radikal eingeschränkt. Ich habe volles Verständnis dafür und hoffe, dass wir uns alle daran halten und niemanden in Gefahr bringen. Aber ebenso sehr hoffe ich, dass wir uns nicht unsere Hoffnung und unser Miteinander einschränken lassen, sondern mit den uns verbliebenen Mitteln gute und starke Zeichen setzen gegen Angst und Vereinsamung. Vieles wird davon auch auf diesen Zeitungsseiten Tag für Tag berichtet. Das macht Mut! Von einer dieser Aktionen möchte ich erzählen: Sehr viele Menschen überall im Land sind einem Aufruf gefolgt und stellen abends um 19 Uhr eine Kerze oder ein Licht ins Fenster. Viele singen dann ein Lied und beten das Vaterunser. Bei uns leuchtet nun also dort wieder der Adventsstern und schickt sein Licht in die Dunkelheit hinaus. Das Licht der Welt, die Hoffnung des Lebens, ausgegangen von einem kleinen Ort namens Bethlehem in trauriger Zeit. Und beim Zusammenbasteln und Aufhängen des Sterns fiel mir spontan ein, was wir dann singen im Advent und zur Weihnacht: O Bethlehem, du kleine Stadt, wie stille liegst du hier. Du schläfst, und tausend Sternelein zieh´n leise über dir. Doch in den dunklen Gassen das helle Licht heut scheint für alle, die da schlafen und die zuvor geweint. Die Sterne leuchten in diesen klaren Nächten sehr hell am Himmel. Und mein Wunsch ist: Möge das Licht Gottes allen leuchten, die da voller Sorgen sind in diesen Tagen. Unser Adventsstern sagt: Ihr seid nicht allein, Gott weiß, was euch bewegt. Und es gibt viele Menschen, die an euch denken und für euch beten. Bleiben Sie behütet und gesund, und vielleicht lassen auch Sie das Licht der Hoffnung für andere leuchten!
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(29.03.2020) - „Stillesein und Hoffen“ Am 13.März nachmittags haben wir nach Absprache im Kirchengemeinderat die Notbremse für das Leben unser Gemeinde gezogen und alle Gottesdienste und Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt. Parallel dazu wurden Schulen und Kitas geschlossen, und seitdem wurde das öffentliche Leben immer weiter eingeschränkt. Eine winzig kleine Ursache hat unvorstellbar große Auswirkungen zur Folge gehabt. Manchmal kommt es mir vor wie in einem Katastrophenfilm – und doch ist es unsere Wirklichkeit. Es kommt nun auf jeden von uns an, wir alle sind mitverantwortlich für die weitere Entwicklung. Kanzlerin Merkel hat dafür klare und gute Worte gefunden. Anfangs dachte ich: Hast du jetzt aber viel Zeit – für all das, was sonst liegen bleibt. Doch dann begann zunächst einmal die Organisation dieses „anderen“ Lebens: wie kann ich von zuhause aus arbeiten, erreichbar sein, im Gespräch mit Menschen und Kolleg*innen bleiben? Und merkte schon bald, wie schwierig dies auch sein kann- trotz all (oder gerade wegen?) der technischen Möglichkeiten, die wir heute haben. Die Informationen per Email ebenso wie die Nachrichten in den Medien überschlugen sich geradezu, ließen mich kaum zur Ruhe und zu einem geordneten Arbeiten kommen. „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“ – dieser Vers aus dem Buch Jesaja (Kap. 30 Vers 15) kam mir in den Sinn. Das Stillesein fällt uns schwer, das merken wir jetzt, wo wir dazu „verdonnert“ sind, besonders. Aber das scheint auch früher schon so gewesen zu sein – sonst hätte es Jesaja seinen Mitmenschen vor zweieinhalb Tausend Jahren nicht schon sagen müssen. Dabei kennen wir doch das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft.“  Und lesen Sie einmal bewusst die Strophen des Liedes „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ durch! Also, lassen Sie uns ein wenig stiller als sonst sein – und vor allem die Hoffnung nicht verlieren! Am Palmsonntag beginnt die Karwoche, auch die „Stille Woche“ genannt. Sie führt auf Karfreitag zu, aber eben auch auf das Osterfest! Wir gedenken des Leidens und Sterbens Jesu und seiner Auferweckung und machen uns bewusst: Gott in seiner Liebe will an unserer Seite sein, er kennt Angst und Alleinsein und wird uns da hindurchtragen durch seine Liebe. Bleiben Sie gesund und behütet! Es grüßt Sie Ihr Pastor Matthias Wanckel
Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirchengemeinden! Wir leben in einer ganz besonderen Zeit. Eine winzig kleine Ursache hat ungeahnte Auswirkungen auf unser Leben. Noch vor wenigen Wochen hätte sich wohl keiner von uns ausmalen können, was längst Wirklichkeit geworden ist und unsere Kontakte so stark einschränkt. Solch eine „Stille Woche“ (wie die Karwoche ja auch genannt wird) wie in diesem Jahr haben wir alle noch nicht erlebt. Nicht einmal Gottesdienste werden wir an Gründonnerstag und Karfreitag und leider auch nicht zu Ostern in unseren Kirchen feiern können. Unser Leben steht weitestgehend still. Auch zu anderen Zeiten erleben Menschen so etwas, dass eine Krankheit zu einem Wechsel der Prioritäten zwingt. Diesmal aber sind es nicht Einzelne, sondern wir alle. Und uns bleibt nur die Hoffnung, dass dieser erzwungene Stillstand unseres Lebens tatsächlich am Ende dazu führt, dass unser Gesundheitssystem Herr der Lage bleibt. In der Karwoche erinnern wir Christen uns, dass Gott uns Menschen auch im Leid ganz nahe ist. Ja, er hat Jesus durch den Tod am Kreuz hindurchgetragen gezeigt, dass seine Liebe stärker als alle Macht des Todes ist. Ostern ist das Fest, das wir feiern, weil das Leben siegt und uns offen steht. Das darf unsere Hoffnung in diesen so besonderen Tagen und Wochen sein! Wir wollen Sie auf diesem Wege einladen und ermutigen, das auch in diesem Jahr zu erinnern und zu feiern. Stellen Sie zum Beispiel eine Kerze oder ein Licht abends um 19 Uhr ins Fenster, singen und beten Sie – Sie sind damit nicht allein! Die Konfirmanden bemalen derzeit Hoffnungssteine mit österlichen Symbolen und werden sie vor dem Ostersonntag an vielen Stellen öffentlich auslegen – auf unserer Webseite www.kirche-grabow.de berichten wir davon. Dort finden Sie auch Andachten für die Festtage, die in unserer Kirche für Sie aufgenommen werden. Und Sie können das gottesdienstliche Angebot in Rundfunk und Fernsehen nutzen, die Liedtexte für den ZDF-Gottesdienst am Ostersonntag liegen hier extra bei. Und auch in Grabow wird am Ende dieses Gottesdienstes um 10.15 Uhr der Choral „Christ ist erstanden“ vom Kirchturm her zu hören sein! Bleiben Sie gesund und behütet! Ein frohes und gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen Ihr Pastor Matthias Wanckel
(03.04.2020) - Hoffnungsgedanken Stille Woche
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(19.04.2020) - Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti „Hallo, Pastor“, schallt eine fröhliche Stimme durch unseren Garten. Wenige Augenblicke später steht die siebenjährige Anna schon bei mir, an der Leine hat sie ihren kleinen Hund namens Betty. Nur mit großer Mühe kann sie ihn davon abhalten, das Erdbeerbeet, das ich gerade saubergemacht habe, noch einmal „umzugestalten“. Im nächsten Moment bewundert sie dann die Tulpen und Vergissmeinnicht auf dem Beet daneben und möchte von mir die Namen all der Frühlingsblumen wissen, die meine Schwiegermutter (Gott hab sie selig) vor so vielen Jahren da eingesetzt hat. Und schon sind die beiden wieder fort, und ich höre ihre helle Stimme von der Wiese nebenan, wo die beiden mit einem Ball herumtollen und viel Spaß haben. Sie freuen sich über die Sonne und dass sie jetzt so viel Zeit miteinander haben. Und ich denke: Wie herrlich ist doch das Leben, wenn man es so unbefangen und sorglos wie Anna und Betty genießen kann! Eben „quasi modo geniti“  (auf deutsch: „wie die neugeborenen Kindlein“) - voller Vertrauen und unbeschwert. So heißt der Sonntag nach Ostern nämlich: „Quasimodogeniti“. Seinen Namen trägt er in Erinnerung daran, dass in den ersten Jahrhunderten die erwachsenen Täuflinge in der Osternacht bei ihrer Taufe das weiße Taufkleid erhielten. Eine Woche lang trugen sie es dann bei den abendlichen Gottesdiensten zum Zeichen, dass auch sie nun Kinder Gottes waren. Der Sonntag Quasimodogeniti möchte daher alle Christen an ihre Taufe erinnern. Für mich heißt das: Mein Leben ist Gott anvertraut. Was auch kommt, darauf darf ich vertrauen – auch in Zeiten, wie wir sie gerade durchleben. Das gibt mir Halt und Hoffnung. Und ich kann fröhlich und getrost nach vorn schauen, Kind Gottes, das ich bin – und voll Freude das draußen erwachende Leben genießen. So wie Anna und ihre Betty. Bleiben Sie gesund und behütet! Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Herz quasi modo geniti und wunderschöne Frühlingstage!
03.05.2020 - Gedanken zur Situation – Jubilate! Mittwoch, kurz nach Mitternacht, wollte unser Moritz raus. Er sprang aufs Fensterbrett, schön hörbar natürlich, damit wir auch wach werden, kurz darauf  wieder herunter, kam dann zu mir ans Bett und gab Laut. Eine Katzenklappe haben wir nicht, also musste ich mit ihm zur Haustür und sie öffnen. In diesem Moment, als er nach draußen schlüpfte, hörte ich sie singen. Sie ist wieder da, wie jedes Jahr Ende April  - die Nachtigall. In den Nacht- und frühen Morgenstunden erschallt ihr Gesang durch die Büsche und über das Feld hinterm Haus. Welch eine Freude für den, der – aus welchen Gründen auch immer – nicht schläft. Und dann, gegen Morgen, fallen die anderen Vögel mit ein in den vielstimmigen Gesang. Welch ein Jubel. Gerade jetzt, wo all die geplanten Konzerte landauf, landab ausfallen müssen, ist das wie ein Zeichen, dass das Leben sich dennoch Bahn bricht. Unüberhörbar und auch unübersehbar, wenn ich mit offenen Augen und Ohren unterwegs bin und mein Blick auf all die blühenden Bäume und Büsche und die Blumen fällt. Es ist ein Fest, dieses erwachende Leben. „Jetzt grünet, was nur grünen kann, die Bäum zu blühen fangen an. Es singen jetzt die Vögel all, jetzt singt und klingt die Nachtigall. Der Sonnenschein jetzt kommt herein und gibt der Welt ein´ neuen Schein.“ So dichtet Friedrich Spee 1623. Da tobte seit fünf Jahren der Dreißigjährige Krieg, und es war kein Ende abzusehen. Nach sieben Wochen ohne Schule und Kitas und sechs Wochen mit verschärften Kontaktverboten gibt es jetzt in kleinen Schritten Lockerungen der Corona-Vorschriften. Vieles, was für uns vor Covid-19 völlig selbstverständlich war, haben wir in diesen Wochen schmerzhaft vermisst und ganz neu schätzen gelernt: Kinder und Enkel in den Arm zu nehmen und zu drücken, den Kontakt in Schule und Kita, Spielplätze, Reisen, den Besuch bei Freunden oder auch beim Frisör, die Geselligkeit bei einer Feier (sicher können Sie noch vieles ergänzen). Manches dürfen wir jetzt vorsichtig zurückerobern. Auch Gottesdienste sind unter besonderen Auflagen wieder erlaubt. Auf unsere verantwortliche Art, mit wieder erlangten Möglichkeiten umzugehen, kommt es jetzt an. Denn das Leben bleibt bedroht. Nicht nur durch Krankheiten, viel mehr noch durch Nationalismus und Kurzsichtigkeit. Vor 75 Jahren endete der II.Weltkrieg. Europa und die halbe Welt lagen in Schutt und Asche. Wer hätte sich damals ein Europa ohne Grenzen vorstellen können, wie es für uns in den letzten Jahrzehnten völlig normal geworden ist? Dafür dürfen wir dankbar sein – und uns weiter einsetzen für diese eine Welt, die uns geschenkt und anvertraut ist – und die so zerbrechlich ist. Und so schön. Gehen wir behutsam miteinander und mit der Schöpfung um. Damit auch in Zukunft Jahr für Jahr die Nachtigall den Chor der Vögel anführen kann! Bleiben Sie gesund und behütet!